Die Wiener Stadträte ohne Ressort: Eine überflüssige Kost, die die Demokratie schwächt.
Die nicht amtsführenden Stadträtinnen und Stadträte in Wien haben zum Anlass für eine Debatte geschlagen. Warum es sie gibt, ist ein bisschen kompliziert. Die Stadt hat insgesamt sechs dieser Funktionsträger, von denen jeweils 160.000 Euro das jährliche Gehalt sind – und das macht das Argument gegen die Existenz dieser Ämter stark. Doch die Frage ist: Sind sie überhaupt nötig?
Der Grundgedanke liegt in der Geschichte der Wiener Republik. Nach den Erfahrungen mit verfeindeten politischen Lagern und einer zerklüfteten Gesellschaft setzte sich Wien auf eine Konsensdemokratie ein, bei der alle Parteien ab einer bestimmten Größe an einen Tisch gesetzt wurden – sei es in Form nicht amtsführender Stadträtinnen und Stadträter. "Die Überlegung ist, möglichst alle Parteien ab einer bestimmten Größe an einen Tisch zu bringen", sagt Politikwissenschaftler Peter Filzmaier.
Ein weiterer Grund ist die Verantwortung gegenüber den Bürgern. Die Opposition kann in der Regierung Koalitionspartner sein, aber auch ihre Stimme hören. Stadträtinnen und Stadträte ohne Ressort dürfen an Sitzungen teilnehmen und sind über geplante Beschlüsse informiert – sie haben also Zugang zu Informationen und Kontrolle.
Aber das ist ein Widerspruch in sich: Die nicht amtsführenden Stadträtinnen und Stadträte machen in der Regierung nur Oppositionsarbeit, was die Gewaltenteilung schwächt. "Dadurch, dass die Stadträtinnen und Stadträte der Opposition in Wien kein Ressort haben, machen sie in der Regierung wirklich nur Oppositionsarbeit", erklärt Filzmaier.
Politische Polarisierung existiere heute nach wie vor, aber die gewaltvolle Austragung ist hoffentlich vorbei. Proporz als Mittel zur Befriedung politischer Lager sei daher nur noch bedingt ein zeitgemäßes Argument. "Für Kontrolle und Information brauche ich keine nicht amtsführenden Stadträtinnen und Stadträter", sagt Filzmaier. Mit einer einfachen Gesetzesänderung könnten die Oppositionsrechte im Gemeinderat ausgebaut und sogar als Minderheitenrechte verankert werden.
Die Frage bleibt, ob das Bruttogehalt von 160.000 Euro für jedes der sechs nicht amtsführenden Stadträtinnen und Stadträte fair ist. "Die Frage ist aber schon, ob eine Entschädigung in der bestehenden Höhe geboten ist", sagt Verfassungsrechtler Peter Bußjäger. "Das ist ein demokratiepolitisches Risiko: die Befeuerung von Politikverdrossenheit."
Insgesamt wirft das Amt der nicht amtsführenden Stadträtinnen und Stadträter in Wien Fragen auf, ob es überhaupt nötig ist. Die Antworten sind jedoch zweifelhaft.
Die nicht amtsführenden Stadträtinnen und Stadträte in Wien haben zum Anlass für eine Debatte geschlagen. Warum es sie gibt, ist ein bisschen kompliziert. Die Stadt hat insgesamt sechs dieser Funktionsträger, von denen jeweils 160.000 Euro das jährliche Gehalt sind – und das macht das Argument gegen die Existenz dieser Ämter stark. Doch die Frage ist: Sind sie überhaupt nötig?
Der Grundgedanke liegt in der Geschichte der Wiener Republik. Nach den Erfahrungen mit verfeindeten politischen Lagern und einer zerklüfteten Gesellschaft setzte sich Wien auf eine Konsensdemokratie ein, bei der alle Parteien ab einer bestimmten Größe an einen Tisch gesetzt wurden – sei es in Form nicht amtsführender Stadträtinnen und Stadträter. "Die Überlegung ist, möglichst alle Parteien ab einer bestimmten Größe an einen Tisch zu bringen", sagt Politikwissenschaftler Peter Filzmaier.
Ein weiterer Grund ist die Verantwortung gegenüber den Bürgern. Die Opposition kann in der Regierung Koalitionspartner sein, aber auch ihre Stimme hören. Stadträtinnen und Stadträte ohne Ressort dürfen an Sitzungen teilnehmen und sind über geplante Beschlüsse informiert – sie haben also Zugang zu Informationen und Kontrolle.
Aber das ist ein Widerspruch in sich: Die nicht amtsführenden Stadträtinnen und Stadträte machen in der Regierung nur Oppositionsarbeit, was die Gewaltenteilung schwächt. "Dadurch, dass die Stadträtinnen und Stadträte der Opposition in Wien kein Ressort haben, machen sie in der Regierung wirklich nur Oppositionsarbeit", erklärt Filzmaier.
Politische Polarisierung existiere heute nach wie vor, aber die gewaltvolle Austragung ist hoffentlich vorbei. Proporz als Mittel zur Befriedung politischer Lager sei daher nur noch bedingt ein zeitgemäßes Argument. "Für Kontrolle und Information brauche ich keine nicht amtsführenden Stadträtinnen und Stadträter", sagt Filzmaier. Mit einer einfachen Gesetzesänderung könnten die Oppositionsrechte im Gemeinderat ausgebaut und sogar als Minderheitenrechte verankert werden.
Die Frage bleibt, ob das Bruttogehalt von 160.000 Euro für jedes der sechs nicht amtsführenden Stadträtinnen und Stadträte fair ist. "Die Frage ist aber schon, ob eine Entschädigung in der bestehenden Höhe geboten ist", sagt Verfassungsrechtler Peter Bußjäger. "Das ist ein demokratiepolitisches Risiko: die Befeuerung von Politikverdrossenheit."
Insgesamt wirft das Amt der nicht amtsführenden Stadträtinnen und Stadträter in Wien Fragen auf, ob es überhaupt nötig ist. Die Antworten sind jedoch zweifelhaft.